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SIMON GIETL

WINTER SOLO

#ATHLETESTORY
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In manchen Nächten ruht unser Verstand und macht Platz für unsere Träume. Dann kommen uns besondere Projekte in den Sinn. Projekte, die uns mit Freude erfüllen, wenn wir später auf sie zurückblicken. Vielleicht hat Simon Gietl einst so vom Bergsteigen in den Dolomiten geträumt – und von seinen großen Meilensteinen als Bergsteiger.

Die Umsetzung seiner Projekte plant Simon dann mit hellwachem Verstand, gemeinsam mit seinem Bergkameraden Andrea Oberbacher. Andrea ist seit vielen Jahren Bergführer in den Dolomiten. Schon bei ihrem ersten Treffen wusste Andrea, dass ein besonderes Talent vor ihm steht.
Seitdem ist er an Simons Seite. Zwischen den beiden ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Andrea sieht, wer Simon ist und wohin er sich entwickeln will. Jedes Mal, wenn Simon ein neues Winterprojekt plant, setzt er sich zunächst mit Andrea an einen Tisch. Gemeinsam besprechen sie das Was, das Wann und das Wie.

Dann ist Sandra an der Reihe, Simons Frau. Mit ihr geht er jedes noch so kleine Detail der Route durch. Sandra versteht, wie wichtig diese Projekte für Simon sind und wie wichtig es für ihn ist, Zeit allein in den Bergen zu verbringen. Wenn er unterwegs ist, dann stellt sie sich vor, wie zufrieden er ist, wie er jeden Schritt und jeden Atemzug genießt.
Es ist diese Suche nach Ausgeglichenheit, die Simons Winter-Solotouren entstehen lässt. Wie ein Traum, der aufgrund seiner Erfahrung und dank seiner Freunde, Sandra und dem Winter langsam Gestalt annimmt.

Simon Gietl

Die Berge sind im Winter nur schwer zugänglich. Trotzdem dorthin zu gehen, erfordert Mut und die Bereitschaft, viel zu geben – körperlich, technisch und mental. Ein Winterprojekt alleine zu realisieren, setzt großes technisches Können voraus. Und den Willen, tagelang auf sich allein gestellt zu sein.

Im Winter 2020 gelang Simon die erste Winter-Solo-Überschreitung der Drei Zinnen. 2021 realisierte er dann die erste Winter-Solo-Begehung des Mittelpfeilers am Heiligkreuzkofel, Mariacher-Variante, und 2022 überschritt er im Alleingang alle Hauptgipfel der Rosengarten-Skyline. Im Jahr darauf folgte die Solo-Überschreitung der Geislerspitzen. Immer im Winter. Immer allein.

Aber das Alleinsein ist für Simon keine Last. Er weiß, dass Einsamkeit nicht das gleiche ist, wie Isolation. Simon ist gerne allein. Wenn man allein ist, kann man seine Gedanken ordnen, Klarheit im Kopf schaffen.
Taucht man in diese Welt ein, kann man nicht nur die Täler und Gipfel der Dolomiten entdecken, sondern auch seine innere Landschaft erkunden. Es lenkt den Blick nicht mit Bedauern hinunter ins Tal, weil man die Wärme seines Zuhauses verlassen hat. Viel mehr erscheint einem bei der Rückkehr die Welt da unten echter und lebendiger.

Bergsteiger, Wanderer, Trailrunner – sie alle wissen, dass Einsamkeit eine Frage von Raum und Zeit ist. Simon findet sie auf den Gipfeln der Dolomiten, beim Biwakieren auf einem schneebedeckten Felsen – über ihm die Sterne, unten die Lichter des Tals und vor ihm ein kleines Feuer, das den Schnee schmilzt und seine Hände wärmt.
Wieder andere finden Einsamkeit in einem stillen Wald, wo sie ihren Geist wandern lassen, um das zu hören, was im Lärm des Alltags oft untergeht. Sie alle empfinden Einsamkeit als etwas Positives, nicht als Angst oder Isolation. Als Bewusstsein, Zufriedenheit und Vertrauen.

Das sind die Augenblicke, die der Berg den Menschen schenkt. Die Momente, die Simon so sehr schätzt und die er durch seine Geschichten mit Freunden teilt – und mit all jenen, die sich den Bergen und sich selbst nähern wollen.

Simon Gietl