Arnaud Cottet: Einblick in die Sella Tour 32 Kooperation

Arnaud Cottet: Einblick in die Sella Tour 32 Kooperation

Mein Name ist Arnaud Cottet. Ich bin Salewa-Athlet und Gründer von Glacier Optics. Im Jahr 2022 hatte ich die Möglichkeit, über meine übliche Rolle als Athlet hinauszugehen und aktiv am Produktentwicklungsprozess von Salewa mitzuwirken — insbesondere bei der Entwicklung des neuen Sella Tour 32L Skitourenrucksacks.

Für mich war es mehr als nur ein Produktprojekt. Es war die Chance, echte Bergerfahrung in den Designprozess einzubringen und einen Rucksack mitzugestalten, der für Skitouren und Freeride entwickelt wurde — von Menschen, die ihn tatsächlich im Gelände nutzen.

Der Sella Tour 32L wurde entwickelt, um die langjährige Randonnée-Linie von Salewa zu ersetzen. Die Idee war nicht, bei null anzufangen, sondern zu den Wurzeln dessen zurückzukehren, was Salewa-Rucksäcke ikonisch gemacht hat — insbesondere das Dry Back Tragesystem — und dieses mit neuen Ideen und modernen Einsatzbereichen weiterzuentwickeln.

Das Ziel war klar: ein Rucksack, der sich sowohl auf Skitouren als auch an Freeride-Tagen zuhause fühlt, ohne Kompromisse bei Funktionalität, Komfort und Langlebigkeit.

Von der Idee zum Prototyp: ein langfristiger Prozess

Das Projekt wurde vom Salewa Product-Management-Team unter Alessio Innocente und Matteo Rolando geleitet, die für die Gesamtvision, die Marktpositionierung und die Produktionsstrategie verantwortlich waren. Im Zentrum des Designprozesses stand Mario Malacesck, ein Senior Designer mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Entwicklung von Rucksäcken.

Die Entwicklung eines Rucksacks wie des Sella Tour 32L benötigt Zeit — etwa drei Jahre von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt auf dem Markt. Dabei müssen viele Faktoren berücksichtigt werden: geplanter Einsatz und Nutzerprofil, Volumen und Gewicht, Materialien und Haltbarkeit, Tragekomfort, Features und Zugänglichkeit sowie Preis und Positionierung im Sortiment.

Der Prozess beginnt mit handgezeichneten Skizzen, gefolgt von handgefertigten Prototypen. Diese frühen Versionen sind entscheidend, um Proportionen, Öffnungen und Tragesysteme zu testen, bevor der nächste Schritt erfolgt.

Die zentrale Innovation: ein hybrides Öffnungssystem

Eine der Kernideen des Sella Tour 32L ist seine hybride Back–Side-Öffnung.

Bei Freeride-Rucksäcken wird häufig der Zugriff über das Rückenpanel bevorzugt. Bei klassischen Berg- und Alpinrucksäcken ist hingegen der seitliche Zugriff üblich. Unser Ziel war es, beide Welten zu verbinden.

Das Ergebnis ist eine Back–Side-Öffnung, die schnellen Zugriff auf die Ausrüstung ermöglicht, ohne den Rucksack vollständig öffnen oder ausräumen zu müssen. Ein scheinbar kleines Detail, das unter kalten, windigen oder exponierten Bedingungen einen großen Unterschied macht.

Selbstverständlich verfügt der Sella 32L über alle wichtigen Features eines Bergrucksacks: A-Frame-Skibefestigung, Eispickelhalterung und separates Fach für Lawinenschaufel und Sonde.

Tests, Feedback und Feinschliff

Nachdem das Konzept bestätigt war, ging der Rucksack in die Produktion und wir erhielten die ersten Muster. Diese Prototypen wurden intensiv getestet, um Materialien, Tragekomfort und die Gesamtfunktionalität zu bewerten.

Gemeinsam mit dem Salewa R&D-Team sammelten wir Feedback, identifizierten Schwachstellen und optimierten das Design. Nach mehreren Monaten entstand ein zweiter Prototyp, der auf Rückmeldungen von Athleten und weiteren Nutzern basierte.

Dieser Kreislauf — testen, Feedback sammeln, anpassen — ist der Punkt, an dem aus einem guten Produkt ein zuverlässiges wird.

Warum die Einbindung von Athleten wichtig ist

Athleten in den Entwicklungsprozess einzubeziehen, bedeutet mehr als reine Performance. Es geht um Verbindung. Athleten sind Teil einer größeren Community von Bergsportlern und fungieren als Brücke zwischen Marke und realer Anwendung. Sie bringen nicht nur ihre eigene Erfahrung ein, sondern auch die ihrer Partner, mit denen sie Ski fahren, auf Tour gehen und in den Bergen unterwegs sind.  Als Gründer von Glacier Optics war es zudem spannend, Parallelen zwischen der Entwicklung von Rucksäcken und Brillen zu ziehen — zwei unterschiedliche Produkte, die denselben Prinzipien folgen.

Der Sella 32L ist nun Teil der Salewa Winterkollektion 2025/2026 und bereit für den Einsatz dort, wo er hingehört: in den Bergen. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, an diesem Projekt beteiligt gewesen zu sein, und stolz auf das, was das Team gemeinsam geschaffen hat. Ich freue mich bereits auf die nächste Zusammenarbeit — und darauf, diesen Rucksack draußen zu sehen, an echten Skitagen, unter realen Bedingungen.