Dem Südtiroler Alpinisten Simon Gietl ist gemeinsam mit Davide Prandini und Martin Niederkofler die Erstbegehung der Route „KAIROS“ in der Westwand der Laverella di Fora gelungen. Die rund 250 Meter lange Linie weist eine Schwierigkeit von IX- A2 auf und führt durch äußerst kompakten, geschlossenen Kalkstein, der nur sehr schwierig abzusichern ist. Die Route umfasst mehrere anspruchsvolle Seillängen im Bereich von X-, IX+/X- und IX+. Die Schwierigkeiten werden durch die spärliche bis sehr sparsame Absicherung zusätzlich verschärft.
Insgesamt benötigten die drei Alpinisten vier Tage für die Erstbegehung. Die Kletterei erwies sich als technisch und mental fordernd, mit mehreren Stürzen von knapp 15 Metern. Ziel des Teams war es von Beginn an, eine möglichst direkte Linie durch diese außergewöhnliche Wand zu eröffnen – ausschließlich mit traditioneller Absicherung und ohne den Einsatz von Bohrhaken.
Nach der erfolgreichen Erstbegehung setzte sich Gietl ein weiteres Ziel: Alle Seillängen der Route an einem Tag sturzfrei im Rotpunktstil zu klettern. Nach intensivem Studium der einzelnen Seillängen und gezieltem Training in der Wand gelang ihm dieses Vorhaben schließlich am 13. August. Gesichert wurde er dabei von Magdalena Mittersteiner.
Gietl beschreibt die Zeit in der Wand als besonders intensiv:
„Es war eine besondere und sehr intensive Zeit, die ich an diesem ruhigen Ort mit Freunden teilen durfte. Ich bin sehr stolz und dankbar, diese Erstbegehung in diesem Stil eröffnet zu haben. Um es kurz zu fassen: 99 Prozent Motivation wären zu wenig gewesen, um diese Linie zu eröffnen.“
Mit „KAIROS“ ist eine anspruchsvolle, traditionell abgesicherte Route in einer außergewöhnlichen Kalkwand entstanden. Die Kombination aus mehreren schweren Seillängen, der teilweise sehr sparsamen Absicherung und dem bewussten Verzicht auf Bohrhaken verleiht der Route einen ausgeprägt alpinen Charakter.
Simon Gietl wünscht allen Wiederholerinnen und Wiederholern viel Erfolg und Freude bei der Begehung.