Aus den Fenstern seines Elternhauses in Hunza im Norden Pakistans blickte Mueez Ud Din schon als Kind auf die Gipfel des Karakorums. Einer von ihnen zog ihn immer wieder in seinen Bann: der 7.027 Meter hohe Spantik. Lange war dieser Berg für ihn weit mehr als nur ein Gipfel. Er war ein ständiger Begleiter, eine stille Inspiration und Sinnbild für den Traum, ihn eines Tages selbst zu besteigen.
Der Alpinismus gehört seit jeher zu den Bergregionen Nordpakistans, doch meist blieb er dort im Hintergrund. Jahrzehntelang wurden Expeditionen und Erstbegehungen vor allem von internationalen Seilschaften geprägt, während die Menschen vor Ort als Träger, Köche oder in der Logistik unverzichtbare Arbeit leisteten. Mueez gehört zu einer neuen Generation pakistanischer Alpinisten, die diese Rollen neu definieren will und ihre eigene Geschichte in den Bergen schreibt.
Im Juni 2025 brach Mueez gemeinsam mit dem französischen Alpinisten Mathieu Maynadier und seinem Mentor Javed Ali zu einer Unternehmung auf, bei der es um weit mehr ging als um einen Gipfelerfolg. Über einen kaum erschlossenen Gletscher, durch wechselhaftes Wetter und in wildem, unbekanntem Gelände eröffnete das Team eine neue Route am Spantik. Eine anspruchsvolle Begehung, die Anpassungsfähigkeit, Entschlossenheit und uneingeschränktes Vertrauen ineinander verlangte. Vor allem aber wurde sie zu einem wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit im pakistanischen Alpinismus.
Heute verfolgt Mueez ein noch größeres Ziel: Er möchte als erster Pakistaner die IFMGA-Zertifizierung erwerben, eine der international höchsten Qualifikationen für Bergführerinnen und Bergführer. Es wäre ein Meilenstein, der vielen jungen Menschen im Karakorum neue Perspektiven eröffnen könnte. Nicht nur, weil dadurch berufliche Chancen entstehen, sondern auch, weil lokal verankerte und international anerkannte Bergkompetenz weiter wachsen kann.
Davon erzählt Zindabad: ein Dokumentarfilm, der die Expedition zum Spantik begleitet und zugleich zeigt, worum es beim Entdecken neuer Wege wirklich geht. Denn eine neue Route erschließt nicht nur einen Berg. Sie öffnet auch Räume für die Menschen, die in diesen Bergen zu Hause sind. Seine Premiere feierte Zindabad im Juni 2026 beim Chamonix Film Festival. Der Film macht eindrucksvoll sichtbar, wie Berge zu Orten der Begegnung, der Entwicklung und des Wandels werden können.