Fragili Equilibri: Leo Ghezas neue Route in der Verdon-Schlucht

Manche Routen erschließen sich Meter für Meter, während man dem Fels folgt und sich ins Unbekannte vorwagt. In der Verdon-Schlucht folgte der SALEWA People Athlet Leo Gheza diesem Entdeckergeist und eröffnete gemeinsam mit Luca Ducoli Fragili Equilibri: eine 220 Meter lange Kletterroute mit einem maximalen Schwierigkeitsgrad von 8b+, die sie von unten nach oben erschlossen.

Manchmal genügt ein Blick auf eine Felswand, um das Potenzial für eine neue Route zu erkennen. Für Leo Gheza kam dieser Moment im September 2025, als er sich in der Verdon-Schlucht seinen Bergführerprüfungen stellte. Zwischen den Klettertouren begann er, über die bestehenden Routen hinauszublicken, nach noch unerschlossenen Wandbereichen zu suchen und neue Linien ins Auge zu fassen. Einige Monate später wurde aus dieser Idee Fragili Equilibri: eine 220 Meter lange Route in der Estellié-Wand, die Leo Gheza im November 2025 gemeinsam mit Luca Ducoli von unten nach oben erschloss. Auch Daniele LoRusso war an der Erschließung beteiligt. Der maximale Schwierigkeitsgrad der Route liegt bei 8b+.

„Ich hatte die Gelegenheit, verschiedene Wandbereiche zu erkunden und nach möglichen Linien Ausschau zu halten. Schon damals hatte ich die Idee im Kopf, einen Felsabschnitt zu finden, der noch nicht erschlossen war.“

Die Verdon-Schlucht zählt zu den großen historischen Klettergebieten. Sie ist bekannt für ihre imposanten Kalksteinwände und ihre lange Klettertradition. Dennoch gibt es hier nach wie vor Möglichkeiten, neue Linien zu entdecken. Leo hatte mehrere Optionen im Blick und war bereit, seine Pläne je nach den Gegebenheiten vor Ort anzupassen.


„Hier eine neue Route zu erschließen und damit Spuren zu hinterlassen, ist unbezahlbar. Die Verdon-Schlucht ist unter Kletterern legendär und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Die Erwartungen waren hoch, und das Gebiet hat sie definitiv erfüllt. Es ist ein historisches Klettergebiet, in dem die meisten der besten Wände bereits von zahlreichen Routen durchzogen sind. Trotzdem bietet die Nordseite noch viel Potenzial. Ich hatte einen Plan A, B und C. Ich wusste, dass der Kletterführer von 2025 auf dem neuesten Stand war, aber es bestand immer noch die Möglichkeit, ganz neue, noch nicht dokumentierte Routen zu finden. Und genau so kam es.“

Für Leo liegt der Reiz darin, eine Route von unten zu erschließen und dabei nicht zu wissen, was ihn erwartet. Die Linie entwickelt sich beim Klettern: Man folgt den natürlichen Strukturen des Felses und passt sich dem an, was einen weiter oben erwartet. Mit jedem Zug kommt man der Antwort auf die Frage, wie die Route weiterführt, ein Stück näher.
„Ich liebe das Klettern, aber ich liebe auch das Abenteuer. Beim Erschließen von Routen von unten kommen diese beiden Leidenschaften zusammen. Am meisten reizt mich, nicht zu wissen, was mich nur ein paar Meter weiter oben erwartet.“
Fragili Equilibri besteht aus sieben Seillängen und verbindet technisch anspruchsvolle Passagen mit körperlich fordernden Kletterstellen. Kleine Griffe, Leisten und Tropflochstrukturen prägen den Weg über eine leicht überhängende Wand. Hier sind Präzision, Gleichgewicht und Anpassungsfähigkeit gefragt.
„Es ist eine fantastische Route geworden – nicht nur wegen der technischen Herausforderung, sondern auch wegen der Qualität der Kletterei. Sie ist spannend und abwechslungsreich und verläuft durchgehend leicht überhängend. Man wechselt zwischen kleinen Griffen und Taschen, Leisten und körperlich anspruchsvolleren Passagen an den Tropflochstrukturen. Die Route bietet eine große Vielfalt an Kletterbewegungen.“


Der Name Fragili Equilibri („Zerbrechliches Gleichgewicht“) geht auf die Schlüsselstelle der Route zurück, eine technisch äußerst anspruchsvolle Seillänge im Schwierigkeitsgrad 8b+. „Beim Ausarbeiten der einzelnen Kletterzüge haben Iris und ich einige Tritte ausgebrochen, die ziemlich wichtig, wenn auch nicht unverzichtbar waren. Jedes Mal, wenn ein Tritt ausbrach, mussten wir einen anderen Weg finden, um die Passage zu klettern. Die Kletterei verläuft direkt an der Wand, und man ist ständig damit beschäftigt, auf Tritten, auf die nicht unbedingt Verlass ist, das Gleichgewicht zu halten.“

Auch das Wetter stellte das Team bei der Erstbegehung auf die Probe. Starker Regen und Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h unterbrachen die Klettertage. Nur kurze Zeitfenster boten günstigere Bedingungen. Trotz der Wetterwarnungen blieb der Fels trocken, sodass das Team jede Gelegenheit zum Klettern nutzen konnte.


Während des Aufenthalts testete Leo außerdem die Kletterkollektion von SALEWA für Frühjahr/Sommer 2027 unter realen Bedingungen. Er trug die Teile sowohl bei seinen Klettereinheiten als auch bei der Erschließung der neuen Route.


Für Leo lässt sich eine Route nicht allein an ihrem Schwierigkeitsgrad oder den anspruchsvollsten Zügen messen. Entscheidend ist auch das Klettererlebnis: den eigenen Rhythmus am Fels finden, sich Schritt für Schritt durch die einzelnen Passagen arbeiten und eine ganz eigene Linie entdecken. Genau diese Erfahrung wünscht er sich für alle, die sich künftig an Fragili Equilibri wagen.


Und schon warten weitere Linien darauf, entdeckt zu werden. Eine neue Route zu erschließen, ist kein Endpunkt, sondern Teil einer viel längeren Entdeckungsreise. Es gibt immer eine weitere Möglichkeit, die darauf wartet, entdeckt zu werden.



„Ich habe so viele Träume. Ich bräuchte zwei Leben, um zu versuchen, sie alle wahr werden zu lassen!“