Monte San Valentín: Ein eisiger Traum im Nördlichen Patagonischen Eisfeld

Monte San Valentín: Ein eisiger Traum im Nördlichen Patagonischen Eisfeld

Zwischen Juli und August 2025 machten wir uns auf, den dritten dokumentierten Winteraufstieg des Monte San Valentín zu versuchen – ein Gigant der chilenischen Patagonienregion, berühmt für seine enorme Höhe und die extremen Bedingungen. Unsere Expedition, tief im Herzen des Campo de Hielo Norte, war weit mehr als ein physisches Abenteuer: Sie war eine Hommage an eine Bergwelt voller Geschichte und Respekt.

Ein legendärer Berg

Der Monte San Valentín, 4.072 Meter hoch, ist die höchste Erhebung Patagoniens – ein riesiger Eiskoloss, der die Landschaften des Nationalparks Laguna San Rafael dominiert. In dieser Wildnis zeigt sich die Natur in ihrer ursprünglichsten Form. Viele Bergsteiger haben versucht, den Gipfel zu erreichen, doch besonders im Winter bleibt er ein nahezu unbezwingbares Ziel.

Bis heute existieren nur zwei dokumentierte Winterbesteigungen: 1989 unter Casimiro Ferrari und 2001 durch das Team von Cumbres Australes. Seitdem haben es nur wenige wieder gewagt – und noch wenigere waren erfolgreich. Unsere Dreierseilschaft – Felipe Malverde, Eduardo Retamales und ich, Alvaro Quilodrán – sollten die dritte Gruppe sein, die sich diesem winterlichen Mythos stellt.

Im Herzen des Eises

Am 18. Juli starteten wir von Pucón und legten mehr als 1.500 Kilometer in den Süden zurück. Wir überquerten Fjorde und Seen per Fähre und reisten durch Landschaften von atemberaubender Schönheit: schneebedeckte Täler, mächtige Gletscher und Wälder, die im Winter wie in Flammen zu stehen schienen. n Mallín Grande begann schließlich die echte Expedition. Mehrere Tage lang transportierten wir unser Material durch das Valle Leones Tal bis zum Lago Leones, den wir mit einem Boot überquerten. In Camp Heimp errichteten wir unser erstes Basislager. Von dort an wurde das Gelände zunehmend technischer: dichte Wälder, wenig Schnee, viele Felsen und winterliche Bedingungen, die alles verlangsamten.

Die Herausforderungen hörten nie auf: plötzlich auftretende Stürme, beißende Kälte und – völlig unerwartet – Nagetiere, die Vorräte zerstörten, Rucksäcke anfraßen und sogar unser Zelt beschädigten. Nichts war einfach, aber jeder Schritt war ein Fortschritt.

Das Wetter: Ein unaufhaltsamer Gegner

Die patagonischen Winterstürme sind legendär – fast wie Figuren der Geschichte selbst. Unser Meteorologe Jhon wurde zum Schlüssel unseres Überlebens, indem er uns durch immer engere Wetterfenster lotste. Doch die Stürme verschmolzen schließlich zu einem langen Frontsystem, das unsere Gipfelhoffnungen zunichtemachte.

Der Rückzug

Nach Tagen harter Arbeit erreichte uns schließlich die entscheidende Nachricht: Die Wetterlage würde sich nicht stabilisieren. Das Risiko, wochenlang eingeschlossen zu werden, war zu groß. Die Entscheidung war klar – und gleichzeitig schwer: Wir mussten umkehren. Auch wenn wir den Gipfel nicht erreichten, wussten wir, dass wir die richtige Wahl getroffen hatten. Wieder einmal zeigte uns die Bergwelt, dass der wahre Wert solcher Expeditionen nicht im Gipfelerfolg liegt, sondern im Weg dorthin.

Erkenntnisse

Der Rückweg war erneut geprägt von anstrengenden Transporten und unvorhergesehenen Hindernissen. Doch am Ende blieb eine tiefe Erkenntnis: Die Erfahrung, die wir gesammelt hatten, war wertvoller als jeder Gipfelsieg. Unsere Expedition umfasste mehr als 2.800 Kilometer auf dem Landweg, 250 Kilogramm Ausrüstung und unzählige Schwierigkeiten. Wir kehrten ohne Gipfelerfolg zurück – aber mit der Erkenntnis, dass Respekt, Demut und Lernen die wahren Siege im Hochgebirge sind.

Der Monte San Valentín bleibt dort: monumental und unbezwungen. Berge werden nicht erobert – sie werden begangen. Und dieses Mal führte uns der Berg tiefer in seine Seele, ohne uns auf seinen höchsten Punkt zu lassen.