HANSPETER EISENDLE

NATIONALITÄT: ITALIEN
GEBURTSTAG: 08.11.1956
AKTIVITÄTEN: MOUNTAINEER & CLIMBER

BIO


Meine Eltern sind beide an den Berghängen hoch über`m Eisacktal aufgewachsen und haben sich nach überstandenen Kriegswirren für ein vermeintlich besseres Leben in der Kleinstadt Sterzing entschieden. An jedem Wochenende jedoch zogen sie mit uns Kindern in die Berge. Berge waren Wälder und Almen, die für meine Familie eine Art natürliche Grenze darstellten. Dort erlebte ich sie fröhlicher, freier und selbstbestimmter als unten im Tal. Da meine ältere Schwester und meine Mutter ihre Obhut gleich im Doppelpack über mich legten, musste der Ort meiner Selbstbestimmtheit noch weiter oben sein, wohin ich dann oft unbeaufsichtigt für Stunden verschwand. In dieser Logik hat alles begonnen und hatte mit dem Bergsteigen herzlich wenig zu tun, nicht einmal mit den Bergen selbst. Sie waren einfach der Ort, wo alle anderen nicht waren. Später, als ich schon von zu Hause aus alleine loszog, ist das genau so geblieben.

Aktivitäten:
Außerschulisch blieb ich aber „Indianer“ und Herumtreiber, der alle Berge im Umkreis von zu Hause durch ihre Besteigung zu einer inneren Landkarte zusammenfügte. Für eine dieser „Vermessungen“ konnte ich doch einmal zwei gleichaltrige Freunde begeistern. Der Peitler Kofel sollte mein erster Berg in den Dolomiten sein, die von den Hausbergen aus gesehen ein bizarrer und verheißungsvoller Horizont waren. Mit dem Zug ging`s nach Brixen, dann zu Fuß auf die Plose. Das Geld für die Seilbahn hatte schon die Zugfahrt verschluckt. Auf dem Weg Richtung Würzjoch verbrachten wir eine kalte Nacht in einem Heustadel ohne Heu, teilten uns das Essen und kauerten eng aneinander geschmiegt. Tags darauf gab es aufregende Momente in den Gipfelfelsen. Jeder für sich und doch nicht allein! Das war es, was ich suchte, das war eine Art Glück.

Hobbys:
Klettern und bergsteigen was das Zeug hält. Seltener nehme ich mir Zeit für meine 2.Passion, die bildende Kunst, Ausstellungen und künstlerische Veranstaltungen als passiver Beobachter. Auch die Literatur zähle ich zu dieser Passion.

Lieblingsplatz:
Meistens der, wo ich gerade nicht bin.

Lieblingsbuch:
Da gibt es zu viele! Um eines meiner Top Ten herauszunehmen: “Ein ganzes Leben” von Robert Seethaler

Größte Angst:
Die Angst ist für mich wie ein Freund, - eine Rückversicherung. Sie hilft mir Entscheidungen zu treffen, oft richtige, manchmal falsche.

 

PROJEKTE


So zog ich wieder allein, - inzwischen als Kunstschüler im Grödnertal, - über immer steiler werdende Eisflanken und durch immer komplexere und längere Felswände, meist sogar nach Schulschluss am Nachmittag. Eine davon war die „Fedele“ in der Sass Pordoi Nordwestwand. In dieser Route hatte ich allerdings als relativer Kletterneuling nicht bedacht, dass der Ausstiegskamin im Spätherbst völlig vereist war. So überfiel mich 600 Meter über dem Boden eine bis dahin nicht gekannte Angst, - Todesangst. Ich war ohne Seil und ohne alles in der Falle. An Weiterklettern war nicht zu denken, denn dieser Schwierigkeitsgrad war schon bei normalen Bedingungen meine Grenze und zwar im Aufstieg. Bevor ich überhaupt imstande war, intellektuell eine klare Entscheidung zu treffen, begannen meine Füße und meine Hände abzuklettern. Es entstand sogar ein Zustand der Angstfreiheit. Tranceartig kletterte ich in Windeseile die gesamte Route wieder hinunter, ohne mich ein einziges Mal zu versteigen und ohne Zweifel, es vor Einbruch der Dunkelheit zu schaffen. Später kamen zwar Patagonien, der Himalaja, die Anden, Yosemite und die Bergführerprüfung dazu, aber es gab kaum andere Momente, die sich so tief in mein Bewusstsein eingegraben haben, wie jene dieser in Abendlicht getauchten Dolomitenwand . Auch die Ahnung, was alles in mir stecken könnte, von dem ich nichts weiß, wurde in diesen Stunden geboren.