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Unterwegs als höchster Außendienstmitarbeiter der Schweiz

#HUETTENPRAKTIKANT

Wir erwischen ihn spätabends im Auto. Er ist auf dem Weg zum Parkplatz der Treschhütte. Sein Schlafplatz für die nächste Nacht. Im Auto übernachtet der Hüttenpraktikant zur Zeit öfter. Aufgrund der Covid-19 Richtlinie dürfen die Berghütten momentan nur die Hälfte der Schlafplätze vergeben. Auch wenn es nur ein Platz ist, den „spart“ er gerne für die Gäste.

Am nächsten Tag besucht Pascal die Treschhütte. Sie liegt im Fellital auf 1475 m ü. M. in den Glarner Alpen im Kanton Uri, 45 Minuten Zustieg für den sportlichen Hüttenpraktikanten. Gegen 5.30 Uhr morgens will er starten. Einerseits weil sein Tag lang wird, das bringt sein Job als höchster Außendienstler der Schweiz eben mit sich, andererseits weil er pünktlich zum Frühstück die Hütte erreichen möchte. Das ist oftmals genau der richtige Moment für ein gutes Gespräch mit den Wirten. Denn wenn auf der Hütte noch Ruhe herrscht, hat Pascal die besten Gespräche. Die Hochtourengeher sind bereits losgegangen, Wanderer und Familien brechen in der Regel etwas später auf.

Am Tag 42 im Sommer 2020 ist Pascal Hüttenprofi könnte man sagen. Er hat sich akklimatisiert – an die Höhe sowieso, an Wochenplanung, Wettercheck, Rucksackpacken und Tourenvorbereitung ebenso. Sein Sonntagabend zuhause gehört dem Wetterbericht, entsprechend stellt er die kommende Woche zusammen. Diese Woche war`s im Urner Land stabiler und sonniger, deshalb ist er dort nun schon die zweite Woche unterwegs. Im Kanton Uri gibt es 21 Hütten. Ob er alle schafft, weiß er noch nicht. Denn er richtet seine Planung nach dem Wetter. In Zürich gibt`s gerade stabiles Hochdruckwetter, aber dort wird man ihn trotzdem nicht antreffen, schmunzelt Pascal.

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Seine Woche verbringt er am Berg. Sein Job spricht sich herum. Nicht selten wird er mit dem Satz „Ah, du bist der Typ der immer hoch und runter läuft“, empfangen. Die Hüttenwirte mögen seinen Besuch. In der nächsten freien Minute nach seiner Ankunft erklärt er, warum er unterwegs ist, stellt sich und die Marke Salewa vor. Spätestens wenn die Arbeit beginnt und das Nachtessen vorbereitet wird, steht Pascal in der Küche. Sobald sie wissen, dass er gelernter Koch ist, wird er eingespannt. Kartoffelstampf zubereiten, Essen austeilen, Hilfe beim Abwasch – nicht zuletzt in der Küche hat er gute Gespräche.

Seine letzte Hüttenübernachtung hat Pascal Anfang August auf der Bietschhornhütte im Lötschental gemacht. Denn den nächsten Tag hat er genutzt, um mit einem Freund das Bietschhorn, 3.934 m ü. M., im Wallis zu besteigen. Knapp kein Viertausender, aber eine Wahnsinns-Tour, sagt er. Für den Hüttenpraktikanten war die Besteigung eine Premiere, obwohl er die prägnante, formschöne Pyramide auf seinen Hüttentouren schon oft aus der Ferne bewundert hat. Letztes Jahr hat er die Bietschhornhütte bereits besucht, aber er war alleine. Alleine, das zeigen seine Erfahrung und die vielen Gespräche mit den Hüttenwirten, macht er solche Touren nicht. Der anspruchsvolle Gipfel wird über einen Grat bestiegen. Die Tour gilt als lang und ausgesetzt. Insgesamt neun Stunden haben sein Freund und er von der Bietschhornhütte auf den Gipfel und zurück ins Tal gebraucht. Und wer es übertreibt – Pascal kennt den, wie er sagt, Viertausender-Rausch – dem gibt die Natur ein Zeichen und „eines vor den Bug“.

Viel hat er in diesem Hüttensommer allerdings auch vor. Nämlich den Besuch von 2-3 Hütten täglich. Morgen will er nach der Treschhütte über die Pörtlilücke, 2.506 m ü. M., auf die Etzlihütte. Insgesamt 2.100 Höhenmeter, nach einem Tag an dem schon 2.200 Höhenmeter hinter ihm liegen. Da hat er nämlich die Wirte der Leutschachhütte und Kröntenhütte besucht.

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Am Weg macht er Erfahrungen. Zum Beispiel, was „Progressive Mountaineering“ – das Motto seines Ausrüsters – bedeuten kann. Ein magischer Moment beim schnellen Aufstieg. Letzte Woche, beim Besuch zweier Hütten wollte er den höchsten Gipfel der Urner Alpen, Fleckistock, 3.417 m ü. M., noch mitnehmen. Nach seinem morgendlichen Start an der Voralphütte, wurde er von einem halben Meter Schnee überrascht. Die ersten Sonnenstrahlen, das Panorama auf frisch verschneite Gipfel, die Einsamkeit am frühen Morgen. Sein Job hat gute Momente.

An so einen Moment erinnert er sich, wenn er an die Wirtinnen der Tierberglihütte denkt. Bei seinem Besuch letzten Sommer wollten ihn die vier Mädels nicht mehr gehen lassen. Nach der Küchenarbeit, organisierten die Damen eine Hüttenparty für den Besucher. Pascal hat eben in einem seiner vielen Gespräche erfahren, dass die Hüttenwirtinnen kommenden Sommer von den Urner Alpen in die Berner Alpen wechseln und die Bewirtung der Hollandia Hütte im Wallis übernehmen. Deshalb verschiebt er seinen Besuch auf nächstes Jahr. Dann wird er ziemlich sicher auf der Hollandia Hütte übernachten. Die Damen freuen sich nämlich schon auf seinen – ausnahmsweise lange im Voraus angekündigten – Besuch.

Zuletzt wünschen wir Pascal eine gute Nacht am Parkplatz und dass er nette Hüttenwirte antrifft. Pascal lacht: „Die waren bisher immer nett.“

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